Doktortitel und Schulabschlüsse

Wer heute in Deutschland was aus sich machen will, muss ganz nach oben, doch dazu braucht es den richtigen Bildungs- und später Karriereweg. Abitur, Studium und – wenn es geht – einen Doktortitel hinten dran. Doch nicht alle schaffen diesen Weg und helfen ein wenig nach. Gekaufte oder plagiierte Doktortitel kommen heute so oft vor, dass man hier nicht mehr von Einzelfällen sprechen kann.

Doch fangen wir dort an, wo der Weg eines jeden beginnt, in der Schule. Laut Studien wissen wir, dass bis zur Grundschule in Deutschland noch alles richtig läuft [ACHTUNG bitte Nachtrag siehe unten beachten], aber dann, wenn es heißt Haupt-, Realschule oder Gymnasium, beginnen die Probleme. Kinder müssen einfach nur noch funktionieren und Leistung bringen. Die Kindheit nimmt ein grausiges Ende, denn die Kinder kommen oft mit der Situation einfach nicht klar. Leistungsdruck sucht sich ein Ventil und endet nicht selten in Mobbing. Genau dann werden Kinder untereinander extrem grausam und zerstören sich vereinzelt in einer tragischen Weise. Es endet im Selbstmord. Ist genau das dann nicht Grund genug, mal genau hinzusehen, was dafür verantwortlich ist? Wenn es genau dieser Scheideweg in die 3 Schulsysteme ist, dann muss hier gehandelt werden. Sind diese Systeme wirklich der richtige Weg? In der DDR gab es zur POS nur die EOS für begabte Kinder zur Förderung ihrer Fähigkeiten. Eine Hauptschule haben wir in den 80ern nicht mehr gebraucht. Aber seit der Zusammenlegung beider deutscher Staaten (ich nenne es nicht Wiedervereinigung, denn die gab es nicht) wurde diese im Osten wieder eingeführt, und das hohe Bildungsniveau ging wieder verloren. Ergo eine Hauptschule brauchen wir nicht.

Wozu dienen heutige Gymnasien? Sie dienen einer elitären Gesellschaft, die sich vom unterem Niveau anderer Systeme abgrenzen will. Also Reich von Arm. Gymnasien haben nichts mit Begabung und Förderung zu tun, sie steigern nur den Leistungsdruck und helfen mit viel Geld nach. Hinzu kommt, dass dieses Schulsystem auch nichts mit Können und Wissen zu tun hat, sondern mit auswendig lernen. Da haben wir also im Schulsystem Gymnasium gleich zwei Probleme: Lehrinhalte, die mit Hilfe von zusätzlichen Stunden (Nachhilfe) mit Hochdruck in die Köpfe der Kinder gepresst werden, und dass diese dann nicht angewendet werden können (weil nicht verstanden) und nicht lange in den Köpfen verbleiben.

In meiner Eigenschaft als privater Nachhilfelehrer für Mathematik bis Klasse 13 habe ich das selbst erleben können und habe noch etwas herausgefunden, das unglaublich ist. Deutschland ist ein Flickenteppich, jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen und hat so seine eigene Abiturprüfung. Die sogenannte Pisa-Studie soll immer ermitteln, wo welches Land steht, doch hier manipulieren einige Länder auf eine perfide Art und Weise. So auch Bayern, das Pate steht für jene Länder, denen man besonders gute Abschlüsse andichtet. Am direkten Vergleich der Abiturprüfungen Mathematik zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern kommt zu Tage, dass Bayern den Schwierigkeitsgrad auf ein sehr geringes Maß herabgesetzt hat. In der Folge können so auch nicht so gute Schüler einen guten bis sehr guten Abschluss erreichen. Und Sachsen-Anhalt macht genau das Gegenteil, hier wurde der Schwierigkeitsgrad auf ein Maß herauf geschraubt, dass hier fast nur noch Sternchenwissen (Sternchenaufgaben oft am Ende einer Klausur angefügt für alle Begabten, die mit den einfachen Aufgaben unterfordert sind oder zum Sammeln von Extrapunkten) ausreicht, um an eine gute Note zu kommen. Ergo schaffen nur wenige Schüler gute Abschlüsse. Diese Schieflage sorgt dafür, dass bayrische Abschlüsse bevorzugt werden und andere benachteiligt.

Doch schon hier, beim Abitur beginnt das Gemauschel mit den Abschlüssen. Reiche Eltern, die dann mal ein paar tausend Euro über die Schulbank schieben, damit der Nachwuchs mit Abitur das Gymnasium verlassen darf (natürlich nicht immer direkt an Lehrer, sondern als Spenden an die Schule für eine schöne Bibliothek oder ähnliches). Aus diesen Abiturienten werden dann oft Langzeitstudenten, denn deren Eltern können sich das ja leisten. Der Abschluss ist dann auch meist gekauft, und was bisher gut geklappt hat, funktioniert letztendlich auch beim Doktortitel. Neben dem gekauften Doktortitel gibt es auch den plagiierten Titel. Hier werden einfach fremde Arbeiten als eigene ausgegeben, und die Qualität ist oft mangelhaft. Doch was ist dann so ein Titel wert, der gekauft oder plagiiert ist?

Solche Menschen erarbeiten sich ihre Position selten selbst, sie werden dann die Karriereleiter nach oben geschubst. Wer es dann soweit geschafft hat, nimmt sich dann auch die Freiheit, zu einer führenden Persönlichkeit in  der Wirtschaft und Politik zu werden. Bekannte Namen wie „zu Guttenberg“, „Schavan“ oder nun auch „von der Leyen“ schmücken dann selbstbewusst dieses System. Jene, die es eigentlich besser wissen, dass sie es normalerweise niemals dorthin geschafft hätten, wo sie jetzt sind. Alle drei wurden sogar bereits mit der Position der Bundespräsidentschaft in Verbindung gebracht. Ist das dann das richtige Signal? Dass nur Betrügen zum Erfolg führt?

Und siehe da, so ein Titel ist ja auch zu einiges gut. Nicht, um im Fachbereich weiter Karriere machen zu können, sondern als Türöffner. Um in gut bezahlte Positionen zu kommen, so eine Position mit viel Macht ist so sehr lukrativ, dass es sehr verlockend ist, einfach nachzuhelfen. Ist es dann wirklich noch verwunderlich, dass wir dann ganz oben Leute sitzen haben, die eigentlich keine Ahnung davon haben, wofür sie bezahlt werden. Wie soll unser Land dann nur kompetent geführt werden? Doch was nun tun(?) Wie wird man die (Klein)Geister wieder los? Anfangen müssen wir in unseren Köpfen, Titel ohne Funktion einfach nicht mehr so wichtig an ersehen. Sichtbare Leistung mehr schätzen lernen.

Hintergrund: Wie das funktioniert, sieht man im Kleinen zum Beispiel auf Wikipedia. Viele fleißige User erschaffen durch ihr Wissen eine umfangreiche Dokumentation, die Quellennachweise sind dann sogar scrollbar, da sehr viele vorhanden sind. Einfach eine fantastische Leistung. Doch dann passiert etwas, einer kommt auf die Idee und macht ein Buch daraus, und schon wird die gesamte Arbeit basierend auf dem Buch überarbeitet und dann als einzige Quelle dieses Buch genannt. Im Endeffekt ist dieser Artikel dann nicht selten minderer Qualität als zuvor.

Viele viele Fragen, worauf ich auch nicht immer eine Antwort habe, falls ihr dass jetzt erwartet habt. Aber halt das ist nicht meine Aufgabe, sondern euch darauf aufmerksam zu machen.

Nachtrag vom 15.12.2016: Ich muss leider eine Aussage revidieren. Oben schrieb ich dass wir aus Studien wüssten dass bis zur Grundschule alles in Ordnung sei. Doch leider wissen wir seit 2012 dass in Deutschland die Probleme viel früher beginnen. Alles beginnt bereits bei der Einschulung, viele Kinder sind noch gar nicht schulfähig. Sie werden in der Hoffnung eingeschult, sie würden das noch schaffen, doch in Wirklichkeit wird das Problem nur verschleppt. Grund: In Deutschland fehlt eine Vorschule, diese ist nötig um Kinder auf die Schule vorzubereiten.

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